
Restbiomassen, Kriterien und Verfügbarkeit
Unsere Schwesterfirma atmosfair hat zusammen mit dem ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung eine Studie zum Mengenpotenzial von Restbiomassen erstellt. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie viele Restbiomassen in Ländern des Globalen Südens für Klimaschutzanwendungen verfügbar sind. Zu diesen Anwendungen gehört die Biomass-to-Liquid-Technologie (BtL), bei der feste Reste gasifiziert und anschließend mit dem Fischer-Tropsch-Verfahren in synthetisches Rohöl verwandelt werden. Aus diesem Öl hergestelltes Kerosin verbrennt in Flugzeug-Triebwerken CO2-neutral.
BtL-Kerosin lässt sich aus Restbiomassen wie Ernteabfällen, Holzschnitzeln aus Sägewerken oder getrocknetem Klärschlamm herstellen. Doch nicht alle Biomassen entsprechen den Grundprinzipien von atmosfair und Solarbelt. Besonders problematisch sind Energiepflanzen, die mit Nahrungsmitteln um Ackerflächen konkurrieren. Auch industriellen Anbau von Feldfrüchten mit exzessivem Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger möchten wir nicht unterstützen. Reste von Planzen, deren Produktion Menschenrechte verletzt oder Kleinbauern in Abhängigkeiten bringt, sind ebenfalls ungeeignet. Außerdem möchten wir lediglich „echte Reste“ nutzen, die keine anderweitige Verwendung erfahren, zum Beispiel als Tierfutter oder als Mulch, der den Ackerboden vor Erosion schützt.
Um umwelt- und sozialverträgliche sowie verfügbare Restbiomassen zu identifizieren, leitet die Studie eine Reihe von Kriterien aus den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen ab. Zunächst
untersucht die Studie in einer qualitativen Analyse, inwiefern sich die verschiedenen Restearten grundsätzlich für Klimaschutzanwendungen eignen. In einem zweiten, quantitativen Teil berechnet sie das globale Mengenpotenzial geeigneter Restbiomassen. Dabei kommt eine Kombination aus eigenen Interviews und externen Studien zum Einsatz. Eine solche Mengenanalyse mit umfassenden Kriterien zur Umwelt- und Sozialverträglichkeit existiert bisher noch nicht, so dass die Studie hier eine Lücke füllt.
Es zeigt sich, dass über 90 % der anfallenden festen Restbiomassen im Globalen Süden unsere Kriterien nicht erfüllen. Nur 420 Millionen Tonnen der Reste im Globalen Süden sind unserer konservativen Schätzung zufolge sowohl umwelt- und sozialverträglich als auch verfügbar. Damit ließen sich jedoch 40 Millionen Tonnen BtL-Kerosin herstellen, die 20 Prozent des weltweiten Bedarfs an Flugkraftstoffen abdecken könnten. Dies würde nicht nur CO₂-Emissionen reduzieren. Abkauf und Verarbeitung von biogenen Resten könnte ebenfalls die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Ländern des Globalen Süden fördern, wo die Menschen am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.

Darstellung der schrittweisen Selektion von Restbiomassen anhand von 11 Kriterien, die vier Prinzipien zur Umwelt- und Sozialverträglichkeit ausdrücken.
